| Mario Ludwig half Flutkatastrophen-Opfern im Müglitztal.
Auch der DRK-Kreisverband kehrte zurück. RHEINBERG.
Die Helfer sind wieder zurück, müde und voller Eindrücke
aus dem Katastrophengebiet in Ostdeutschland. Nicht
nur Hilfsorganisationen wie der Kreisverband Niederrhein
des Deutschen Roten Kreuzes, sondern auch Privatpersonen
packten in den Gebieten rund um Elbe und Müglitz mit
an. Der Rheinberger Mario Ludwig beispielsweise opferte
seinen Urlaub, um gemeinsam mit zwei Freunden im Müglitztal
helfen zu können. Als
gebürtiger Sachse, aufgewachsen in Pirna und Dresden,
haben ihn die Fernsehbilder besonders berührt. "Als
ich von der Flut gehört habe, habe ich meinen Urlaub
abgesagt", erzählt er. Gemeinsam mit Olaf Fülling
und Thomas Probst beschloss er, in die Region zu fahren
und sich vor Ort einteilen zu lassen. "Da wurde uns
dann geraten, direkt bei Privatpersonen nachzufragen,
ob Hilfe bebraucht wird." Der Hintergrund: Versicherungsrechtliche
Probleme machen es den Krisenstäben schwierig, private
Helfer einfach einzuteilen.
Der Rheinberger Programmierer fuhr schließlich nach
Schlottwitz im Müglitztal. "Das ist einer der Orte,
die ähnlich stark betroffen sind wie zum Beispiel
Grimma, aber nicht so in den Medien stehen." Umso
dankbarer waren die Bewohner des Ortes, dass Helfer
kamen. Einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen
griffen die drei unter die Arme, beseitigten gemeinsam
mit den Bewohnern und anderen Eingesetzten Schutt
und Schrott. "Mit nur wenig technischen Mitteln",
erläutert Ludwig. Gabelstabler und Caterpillar waren
vorhanden, ansonsten war vor allem Muskelkraft bei
den Aufräumarbeiten gefragt. Immerhin hatten die Flutwellen,
bis zu vier Metern hoch, tonnenschwere Betonteile
und Stahlträger mitgerissen. Zum Einsatz kam auch
die private Ausrüstung, die der 38-jährige Globetrotter
stets in seinem Auto hat.
Etliche andere Probleme, mit denen Helfer und Bewohner
in den Überflutungsgebieten zu kämpfen haben, sind
häufig kaum bekannt: In Schlottwitz beispielsweise
fiel zunächst der Strom komplett aus. "Später sah
man ständig irgendwo leichte Brände", erzählt Ludwig.
Offene Kabel lagen in den nassen Gärten, auf Herden
kokelte Schutt. Schwierig auch der Weg nach Schlottwitz:
Nur dank seines Autos schaffte der Rheinberger den
Weg über die eigentlich nicht mehr vorhandene Talstraße.
Mittlerweile ist der Ort zwar wieder zugänglich, aber
hermetisch abgeriegelt. Behörden und Bewohner wollen
keine Katastrophentouristen in Schlottwitz sehen. Die Dankbarkeit der Schlottwitzer
könne er kaum in Worte fassen, sagt Mario Ludwig.
Den Kontakt zu dem Unternehmen, in dem einst 45 Menschen
arbeiteten, hält er natürlich aufrecht. Im Moment
sammelt er Spenden, die werden dann dem Betriebsrat
überwiesen, der schließlich entscheidet, wie das Geld
eingesetzt wird. Am Mittwochabend
kehrte auch der DRK-Kreisverband Niederrhein zurück.
"Sehr anstrengend", sei der Einsatz gewesen, erzählt
Einsatzleiter Matthias Hangert. Erst am nächsten Tag
habe er gemerkt, wie ihm die Zeit in Stendal in den
Knochen stecke. Obwohl die Helfer nicht einmal mit
dem Wasser direkt in Kontakt waren. In der Koordinierungsstelle
in Stendal galt es, die Einsätze der anderen Helfer
überhaupt erstmal zu organisieren.
Wie dankbar die Menschen über den Einsatz der DRKler
waren, hat das Team auch auf der Rückfahrt erfahren.
"Viele Leute haben die DRK-Fahrzeuge gesehen und gewunken."
DORIS GERLAND
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